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Wie vermehren sie sich, wie befallen sie die Wirtstiere und welche Unterschiede
gibt es? |
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Ein bischen Grundlagenwissen sollte man sich schon aneignen, daher eine
kleine Einleitung zu Parasiten.
Ich werde mich hauptsächlich auf Schlangenparasiten spezialisieren,
andere Parasiten, die ausschliesslich Echsen, Agame oder Schildkröten
befallen, werden hier nicht erklärt. Jedoch können die erklärten
Parasiten auch bei anderen (Terrarien-)Tieren vorkommen. Oft in veränderter
Form.
Parasiten kennt eigentlich jeder, die berühmte Zecke oder die Milbe
auf jeden Fall.
Es gibt aber auch einzellige Parasiten, die man nicht mit blossem Auge,
sondern erst nach mikroskopischer Untersuchung feststellen kann.
Ebenso unterscheiden sie sich in der Wirkung: manche Parasiten sind eigentlich
nur lästig, manche verursachen einfachen Durchfall, manche können
tödlich sein. Hauptsächlich findet man Parasiten bei Wildfängen,
da diese natürlich in dem natürlichen Lebensraum der Schlange
weit aus öfter anzufinden sind und die Schlange nicht beim Buschdoktor
nach "Antibiotika" klingeln kann. Wenn sich die heimische Nachzucht
nachts mit Parasiten unterhält, deutet das dagegen oft auf eine unsaubere
Haltung (nicht persönlich nehmen, damit kann auch der Vorbesitzer
gemeint sein) oder fehlender Quarantäne bei Neuzugängen hin.
Oft ist die Quelle des parasitären Befalls garnicht da zu vermuten,
bzw. man denkt an diese Quelle garnicht: Futtertiere!
Angefangen von den kleinen Heimchen bis hin zur ausgewachsene Ratte sind
auch oft diese "verseucht" und befallen das sonst so rein gehaltene,
heimische Terrarium.
Darüberhinaus gibt es sehr wirtsspezifische Parasiten. Diese sind
also auf ein Wirtstier spezialisiert (z.B. bei vielen Bandwürmern),
und richten bei anderartigen Wirten keine oder nur geringe Erkrankungen
vor. Ein Wurm, der einen Wirt befällt, muss für dieses Tier
nicht schädlich sein, da der Wurm eben wirtsspezifisch sein kann
und das befallene Tier gar nicht sein eigentliches parasitäres Ziel
ist. Für andere befallene Tiere kann dieser Parasit jedoch unter
Umständen tödlich sein.
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Gerade bei Würmern ist zu beachten, dass der Befall
mit diesen sehr differenziert zu betrachten ist, denn Würmer gibt es
in vielen Lebenszyklen. So gibt es das Ei-Stadium, die Larvenstadien (oft
bis zu drei Häutungen / Larvenstadien) und das Stadium des adulten,
geschlechtsreifen Wurms. In manchen Fällen ist dieses wichtig zu wissen,
da ein Befall mit Larven nicht immer pathogene (erkrankende) Auswirkungen
hat, oft dient das befallene Tier nur als Zwischenwirt.
Manche dieser Parasiten sind auch für Menschen gefährlich, so
dass bei Befall nicht nur die Schwierigkeit darin besteht, die Schlange
wieder gesund zu pflegen, sondern sich selbst und seine Familie zu schützen.
Denn oft reicht ein einfacher Kontakt um sich zu infizieren (z.B. bei Capilillarien
/ Haarwürmern oder Pentastomiden / Zungenwürmern). Parasiten
werden auf zwei Arten übertragen (besser: der Wirt infiziert sich auf
zwei Arten): |
Der Kopf eines Bandwurms mit dessen Hakenkränzen,
mit denen er sich in die Darmschleimhaut festbeisst
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auf dem direkten und / oder indirektem Wege. Direkt bedeuted,
das der Parasit oral oder durch direkten Kontakt (von parasitär"-verseuchtem"
Kot, Wasser oder Boden) in oder an den Wirt gelangen.
Direkte Übertragungen erhöhen immer die Gefahr der Ansteckungen
des Restbestandes. Bei Parasiten mit direktem Übertragungsweg sind
daher immer höchste Hygienevorschriften zu beachten! Nicht nur
um sich selbst zu schützen, sondern nicht zusätzlich als parasitärer
Botschafter auf die anderen Terrarientiere zu dienen. Parasiten mit direktem
Übertragungsweg treten nicht so häufig auf, haben aber oft schwere
Krankheitsbilder als Folge. Wichtig ist hier besonders, die Quarantäne-Vorschriften
zu beachten! Ratsam ist es, die befallenen Tiere immer als letztes täglich
zu versorgen, so dass die Gefahr der Übertragung auf die anderen Tiere
gemindert wird.
Indirekt bedeuted, dass mindestens ein Zwischenwirt
benötigt wird, sei es ein Beutetier oder diverse Mücken- und
Fliegenarten, die dem Parasit als Zwischenwirt dienen (und sich auch in
diesem zu einem neuen Lebensstadium weiterentwickeln). Die Zwischenwirte
sind ebenfalls auch sehr spezifiziert von dem Parasit ausgewählt.
Meist passen diese Zwischenwirte in das Beutespektrum des Endwirtes, allein
um dadurch die Chance des Parasits zu erhöhen, in den Endwirt zu
gelangen.
Meist ist dieser Zyklus sogar ein immer wiederkehrender Kreislauf: Eier
des Wurms befinden sich z.B. an einer Pflanze im See und heften sich an
die Haut eines Frosches (Zwischenwirt), der an der Pflanze vorbeischwimmt.
Zecken-artig bohren sie sich durch die Haut und entwickeln sich dort zur
Zyste. |
Wird dieser Frosch Beute eines anderen Tieres (Endwirt),
bohren sich die Zysten nun durch die Darmwand in den Blutkreislauf des eigentlichen
Wirts und gelangen z.B. zur Leber. Dort findet die eigentliche Entwicklung
zum Wurm statt, der wieder Eier legt und diese über die Galle wieder
in den Darmtrakt gelangen.
Gelangt die Ausscheidung wieder in das Wasser, fängt alles wieder von
vorne an. Ist ein Terrarientier mit Parasiten befallen, die alleinig einen
indirekten Infektionsweg besitzen, deutet dieses oft auf hygienische Mängel
in der Haltung hin (es sein denn, es ist ein Neuerwerb, dessen Befall noch
in der Quarrantäne bemerkt wird). Hier sollte man selbstkritisch seine
Haltungsbedingungen überprüfen.
Man unterscheidet weiterhin zwischen Ekto(Aussen)- und Endo(Innen)parasiten:
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Ein ektoparasitärer Befall ergibt seltenst einen schlimmes Krankheitsbild.
Meist sind dieses Milben, Zecken, seltener Blutegel, Fliegenlarven oder
Mücken. Sie sind einfach nur lästig. Jedoch können in der
freien Natur Mücken Überträger von Endoparasiten sein. Und
Milben stehen in Verdacht Überträger von dem Schlangen-AIDS (IBD)
zu sein und verursachen bei schwerem Befall eine Amnämie, bei der die
Schlange so geschwächt wird, dass sie nur noch steif und langsam umher
kriechen kann. Auch können Milben auf Menschenhaut Dermitis hervorrufen.
Milben sind wie schon erwähnt meist ein Signal für unsaubere Haltung.
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Diese kleineren Viecher verursachen schon schlimmere Krankheiten. Endoparasiten
werden nochmals in Protozoen (Einzeller) und Würmer (Helminthen) unterteilt
(es gibt noch weitere Untergruppen, diese unterlasse ich jetzt mal in der
Aufzählung). Jedoch muss man beim Tierarzt nicht erschrecken, wenn
man den einen oder anderen Endoparasit findet, denn viele gehören zu
einer nätürlichen Darmflora. Bei etlichen Endoparasiten, gerade
bei denen, die im Verdauungstrakt zu finden sind, kommt es auf die Häufigkeit
der Parasiten an, nicht auf das eigentliche Vorkommen.
Hier klassifiziert man die Endoparasiten folgend (nicht vollständig,
sondern nur ein Ausschnitt für den Berich der Terraristik bedeutsamen
Teil):
Protozoen (Einzeller) sind im Blut oder im Verdauungstrakt
zu finden, einige können aber auch direkt Organe befallen. Sie sind
dann in Lunge, Niere, Leber und allen anderen Organen zu finden. Es gibt
sehr vielfältige Krankheitserscheinungen, ausgelöst durch unterschiedliche
Erreger. Wir werden hier ein paar Protozoen mit Erscheinungsbild nennen,
die bei Reptilien vorkommen können.
Im generellen sind dieses vier Gruppen, die dabei Beachtung zu finden haben,
die Geißeltierchen, die Amöben, die Kokzidien
und die Wimperntierchen.
Neben den einzelligen Parasiten gibt es die Würmer, die wahrscheinlich
zumindest vom Namen her bekannter sein dürften. |
Mikrofilarie
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Nematoden (Fadenwürmer)
sind eine Gruppe von spindel- bis fadenförmigen Würmern mit ungegliedertem
Körper. Ihre Größe variiert von wenigen mm bis zu 1 m. Die
Entwicklungszyklen der getrenntgeschlechtlichen Fadenwürmer sind uneinheitlich.
Es gibt Arten, die einen Zwischenwirt befallen, solche, die in zwei Zwischenwirten
parasitieren, und Vertreter, die sich ohne Wirtswechsel entwickeln. Einige
Arten rufen beim Menschen sehr unterschiedliche Krankheitsbilder aller Schweregrade
hervor. Die häufigste Fadenwurminfektion ist die weltweit verbreitete,
durch den Madenwurm (Enterobius vermicularis) verursachte, harmlose Madenwurmkrankheit. |
Trichinen haben in den vergangenen Jahrzehnten in mehreren
Ländern Europas zu Epidemien geführt. Die anderen, insbesondere
die Gruppe der Filarien, sind fast nur oder ausschließlich in den
Tropen oder Subtropen verbreitet und führen dort zu Erkrankungen von
erheblicher epidemiologischer Bedeutung. Bei den Nematoden gibt es Arten,
die Eier in die Aussenwelt abgeben, aber auch Eier im Darm des Wirts ablegen
und dort die Nachkommen ausschlüpfen. Im Gegensatz dazu sind auch lebendgebärende
Nematoden vorhanden, die entweder Eier legen, aus denen bei dem Geburtsvorgang
Larven schlüpfen, oder gar selbst Larven gebären.
Die Eier, welche in die die Aussenwelt abgeben wurden, sind allgemein die
resistenter als die lebendgeborenen, zarten Larven. Selbst Klärwerke
waren erst nach Installation bestimmter zusätzlicher Anlagen (Ultraschall)
gegen diese hartnäckigen Eier gewappnet.
Trematoden (Saugwürmer) sind in den meisten
Fällen eher unproblematisch, sie können nur bei eher wenigen Unterarten
ernsthafte Erkrankungen führen. Wenn sie dann aber mit den gefürchteten,
aber eben selteneren und schwerer zu bekämpfenden Unterarten befallen
sind, ist die Bekämpfung aufgrund der Widerstandsfähigkeit schwer.
Entweder ist das Wirtstier hohen Dosen von Arzneien ausgesetzt, oder die
Zerfallsprodukte der toten Pasrasiten vergiften das Reptil. Aber die Häufigkeit,
mit den schwerwiegenden Arten befallen zu werden, kann man doch in der Praxis
eher vernachlässigen.
Pentastomiden (Zungenwürmer) sind meiner
bescheidenen Meinung nach die gemeinsten.
Nicht nur, dass sie in der Terraristik noch weitgehend unbekannt sind und
unvermutet sind (und damit natürlich die Gefahr besteht, bei einer
Diagnose übersehen oder fehldiagnostiziert zu werden), sind die Behandlungserfolge
gerade bei schwerem Befall oder bei schon geschwächten Tieren nicht
gerade erfolgsversprechend. Zusätzlich ist diese Art auch für
den Menschen gefährlich und eine Infektion des Reptils bedarf höchster
Quarantäne- und Sicherheitsmaßnahmen.
Kratzer sind biologisch recht interessant, da
diese eine recht einmalige Ursprungsweise haben (Millionen von Jahren alt,
erst aber später zum Parasit entwickelt) und auch ansonsten spezifische
Eigenheiten (z.B. dopplet gekapselte Eier). Ihre Gefährlichkeit ist
die mit Hakenwürmer gleichzusetzen. Damit ist eine Heilung und Behandlung
eigentlich recht erfolgsversprechend, vorausgesetzt, sie werden rechtzeitig
erkannt. Denn auch ihr Vorkommen ist in der Terraristik eher selten und
damit weniger zu vermuten.
Mikrofilarien sind eigentlich keine eigene Gruppe
innerhalb der Würmer, da diese einfach nur ein Larvenstadium bestimmter
Nematoden (den Filarien) bezeichnen. Da sie zur Infektion bestimmte Zwischenwirte
benötigen (Mücken), kommen sie sehr selten im Terrarium vor, können
aber bei sehr starkem Befall tödlich wirken. |
Wir werden Diagnosen und Prognosen erklären, aber keine detaillierten
Therapien.
Auch wenn uns Behandlungsmethoden, Dosierungen und medikamentöse Hinweise
zu den einzelnen Krankheitsbildern und Medikamenten vorliegen, können
wir keine Verantortung für eventuelle Fehlbehandlung und Fehldiagnosen
übernehmen.
Die Dosierung hängt in jedem Fall von der Stärke des Befalls und
vom Zustand des Reptils ab und kann nie generallisiert werden. Auch ist
die Aktualität diverser Forschungsergebnisse und medikamentöser
Behandlungsweisen unterschiedlich gestreut.
Daher sind Therapien ausschliesslich mit einem Fach-Tierarzt abzustimmen!
Die Betonung liegt hierbei auf "Fach"! |
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Literaturhinweise:
Grundriß der Parasitenkunde - UTB-Verlag, ISBN 343720424-6
H. Mehlhorn, G Piekarski, 3. Auflage
Parasiten bei Reptilien und Amphibien - Bede-Verlag, ISBN 3927997668
Eric M. Rundquist
Atlas der Reptilienkrankheiten, Band 1 und 2 - Bede-Verlag, ISBN
3931792978
Lowell Ackermann
Krankheiten der Heimtiere, Schlütersche Verlag, ISBN 3877065279
Karl Gabrisch, Peernel Zwart
Parasiten des Bluts bei Reptilien, Veröffentlichung aus "Der
praktische Tierarzt" Feb. 2002
F. Mutschmann
www.medizininfo.com
www.biotop.at
www.gevo-diagnostik.de
www.terra-exotica.net
www.m-schweiger.com
www.gesundheit.de
www.tierklinik.de
www.ride4fun.de
www.herps.co.uk
www.biosci.ohio-state.edu/~parasite/
www.uni-kiel.de/zoologie/parasito/reptil/anthelmi/
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