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Allgemeine Infos zum grünen Baumpython (Morelia viridis [Schlegel, 1872] & Morelia azurea [Rawlings, 2008])

Haltungs-Anspruch: sehr gut informierter Einsteiger,
Halter mit guten Python-Erfahrungen

Schutzstatus: WA II/ Anhang B, melde- und nachweispflichtig
(Herkunftsnachweis nötig)

Herkunft: Die Tiere kommen auf Irian Jaya bzw. den vorgelagerten Inseln, Papua Neuguinea und in Nord-Australien (einem kleinen, nord-östlichen Gebiet der Halbinsel Cape York) vor. Weitere Information zu den unterschiedlichen Lokalformen können in
  "Zusatz- Infos" (siehe Schaltleiste oben) nachgelesen werden.
Morelia viridis (bzw. Morelia azureus) ist der aktuelle, taxonomische Name, welcher bis zum Jahre 2000 Chondropython viridis hieß. Der Begriff "Chondropython" ist aber dennoch allgemein gebräuchlich und noch fast überall anzutreffen.
Der Name "Chondro" bedeutet so viel wie Drache (wegen der Beschuppung), "viridis" bedeutet grün.
Die Tiere können sowohl im Hochland bis 2000 Meter, als auch in tieferliegenden Gebieten gefunden werden, wobei das Habitat stets der Regenwald ist.
 
Habitat: geographische Übersicht der Herkunftsgebiete
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Größe: abhängig von der geographischen Abstammung/Lokaltypus und Zucht (Vermischung diverser Lokaltypen) bis max. 2 Meter, wobei das eher eine Ausnahmegröße ist. Weibchen werden in der Regel im Terrarium ca. 150 - 180 cm, die Männchen bleiben mit 140 - 160 cm eher kleiner. "Biaks" können entsprechend 20 cm größer werden.
 
Aussehen: Frisch geschlüpfte Baumpythons sind je nach Varietät gelb, rot oder rotbräunlich und haben eine Länge von ca. 30cm - 35 cm. Die Umfärbung zur Endfarbe findet meist zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat statt. Allerdings gibt es auch Tiere, bei denen die vollständige Umfärbung bis zum 2. Lebensjahr dauert. Also nicht verzweifeln, wenn es sich mal länger hinziehen sollte.
Selbst nach diesen zwei Jahren kann es noch zu bestimmten Umfärbungen kommen (hormonell als auch onthogenetisch). Die Dauer der Umfärbung ist nicht festzulegen, manchen brauchen nur wenige Wochen, andere Monate bis durch völligen Umfärbung.
Auf die Farbenvielfalt der adulten Tiere wollen wir hier an dieser Stelle erst mal nicht näher eingehen, wir reißen das Thema an dieser Stelle nur grob an.

Das Aussehen ist sehr variabel und von der geographischen und/oder elterlichen Herkunft der einzelnen Tiere abhängig (Mischzucht). Angebotene "Chondros" werden meist mit erweiterten Namen angeboten (z. B. Sorong, Biak, Aru, Wamena etc.), bei denen es sich nicht um Unterartnamen, sondern um geografische Namen der Herkunftsgebiete handelt bzw. phänotypische Ähnlichkeiten mit diesen Lokalformen ausdrückt.

Allgemein kann man von einem "relativ" schlanken Python mit grünem Grundton und langen Fangzähnen sprechen (prädestiniert für das Festhalten von gefiederter Beute - wobei Vögel laut Untersuchungen recht wenig in seinem natürlichem Beutespektrum vorkommen), dessen Körper die für einige baumbewohnende Schlangen typische Dreiecksform mit ausgeprägter Wirbelsäule aufweist. Der Kopf setzt sich deutlich vom dünnen Hals ab. Die Augenfarbe ist gelblich und die Pupillen sind senkrecht geschlitzt, was den Tieren einen durchdringenden und sehr interessanten Blick verleiht. Der optimal einrollbare Greifschwanz vervollständigt sein Aussehen.
Die drei wohl bekanntesten Varietäten sind wohl der Sorong, der Aru und der Biak.
So zeichnet sich der adulte Sorong durch seine grüne Grundfarbe und einem blauen Rückenband mit kleinen blauen, seitlich abgehenden Dreiecken aus, während der adulte Aru einen dunklere Grünfärbung mit kräftigen weißen Flecken aufweist. Biak-Tiere haben ebenfalls einen (oftmals matt-) grünen Grundton, welcher aber oftmals von typischen gelben Flecken durchsetzt wird. In allen drei Fällen kann es zu Abweichungen kommen. So kann das Rückenband beim Sorong unterbrochen sein, der Aru kann nur ein paar weiße Flecken aufweisen und der Biak kaum, gar kein Gelb oder fast nur Gelb aufweisen. Mehr dazu unter "Zusatz-Infos"!
 
Haltung:

Im Regenwaldterrarium:
Jungtiere sind die ersten Lebensmonate einzeln zu halten, da es bei der Futtergabe zu Beißereien und kleinen Kämpfen kommen kann. Dort bietet sich ein Terrarium mit den Maßen 40cm x 40cm x 40cm an. Die Luftfeuchte sollte etwas höher als bei den adulten Tieren sein, aber auch hier ist auf die Gefahr der Staunässe zu achten (siehe weiter unten).

Zu den Abmessungen des Terrariums git es zwei grundsätzliche Bauweisen:
die klassische Bauweise, die jahrelang bevorzugt wurde, sind die für viele Baumbewohnende Schlangen bevorzugten Hoch-Terrarien, welche mehr Höhe als Breite bieten. Hier sollte bei adulten Tieren die Maße von (BTH) 80cm x 60-80cm x 100cm für ein einzelnes Tier und 100cm x 60-80cm x 120cm für ein Pärchen Mindestmaß sein.

Die neuere Bauweise (nennen wir sie mal "Maxwell-Bauweise", da der Amerikaner Greg Maxwell sie in seinem Morelia viridis - Kompendium so vorstellte) sieht eher die klassische "mehr-breit-als-hoch"-Bauweise vor.
Der Vorteil ist die bessere Einteilung in Wärmezonen in der horizontalen, statt vertikalen Ebene.
Für ein einzelnes Tier ist ein Becken von (BTH) 100 x 60-80 x 60 cm empfohlen, für ein weiteres Tier rechnet man 20 cm Breite dazu - wobei ganz klar die Einzelhaltung bevorzugt werden sollte.
Wie bei der 'konventionellen' Haltung gilt: je tiefer, desto besser! Die Tiere werden sich immer im hinteren Teil, nie im vorderen Teil aufhalten und von daher sollte man ihnen auch diese 20 cm mehr Rückzugsmöglichkeit bieten!
Das Terrarium sollte mit stabilen, ausreichend breiten, der Größe des Tieres angepassten Kletterästen ausgestattet sein, welche waagerecht angebracht werden sollten, da sich die Tiere zum größten Teil (eigentlich fast ihr ganzes Leben) dort aufhalten werden. Diese "Kletteräste" sollten aber weder glatt (schlechter Halt, keine Häutungshilfe), noch zu dünn sein. Zu dünne Äste führen zu Verdauungsschwierigkeiten, daher sollte als grobe Faustregel der Liegeast mindestens die Dicke der Schlange selbst betragen.

Ein Sichtschutz aus Pflanzen ist ratsam, ob nun künstliche oder echte bleibt jedem selbst überlassen. Echtpflanzen helfen jedoch besser als Kunstpflanzen, zusätzlich die benötigte Luftfeuchte zu halten, sind aber pflegeintensiver.

Die Temperaturen im Terrarium unterscheidet sich bei Jung- und Adulttieren:
während adulte Tiere tagsüber einen Temperaturbereich von ca. 25 - 31 ° vorfinden sollten, sind Jungtiere tagsüber relativ konstant bei ca. 29-30° zu halten. Nachts sollte in beiden Fällen die Temperatur nicht unter 23° fallen.
Luftfeuchte bei ca. durchschnittlichen 80%, wobei man diese durch ein zweimaliges Sprühen mit warmen Wasser in den Morgen- und Abendstunden erreicht. Gerade bei Schlangen, die eine erhöhte Luftfeuchte benötigen, wird zu Anfang der Haltung häufig der Fehler gemacht, diese zu feucht zu halten, welches aber dummerweise leider oft zu Erkrankungen führen kann.
Durch das zweimalige Sprühen / Tag zu verschieden Zeiten ist zwischenzeitlich die Möglichkeit des unbedingt nötigen Abtrocknens und ein Sinken der Luftfeuchte auf ca. 60/65% gegeben, da sich sonst sehr schnell Staunässe bildet. Staunässe ist Quelle von Pilzen und Indikator schlechter Lüftung bzw. zu häufigem Sprühen - diese ist unbedingt zu vermeiden!

Beim Bodengrund scheiden sich die Gemüter. Die einen verzichten ganz darauf (und verwenden Zeitungen oder Küchenpapier), weil sich die Tiere dort nicht aufhalten, andere verwenden wasserspeichernden Bodengrund. Auch hier bleibt es jedem selber überlassen, was er optisch für besser erachtet und wie es sich für seine optimalen Terrariumwerte anbietet.

Da die Lauerjäger besonders gut auf Wärme reagieren, ist es ratsam, in der Aktivitätszeit (also nach Löschen des Lichts) keine unnötigen Handhabungen im Terrarium durchzuführen, dieses wird sehr oft mit einem gezieltem Biss quittiert. Auch Fütterungen sollten stets aus diesem Grund mit einer langen Pinzette durchgeführt werden - nicht wenige Baumpythons beissen sonst mal neben das Futtertier in die wärmere Hand.
Tagsüber sind die Tiere jedoch recht friedlich, der Ruf des Beißers basiert eher auf die anfänglich jahrelange Haltung von Wildfängen und Handhabungen in der Dämmerungs- und Nachtphase.
 

Beleuchtung: Ganzjährig ca. 12 Stunden
 
Futter:  In der Natur Echsen, Säugetiere und Vögel.
In der Terrarienhaltung Ratten, Mäuse und Küken (Geflügel hat allerdings einen geringen Nährwert, insofern sollte man es nicht einseitig füttern. Hinzu kommt, dass der Kot bei der Verfütterung von Geflügel übelriechend und breiig ist).
Da gerade der grüne Baumpython ein gieriger Fresser ist, muss man sehr aufpassen, diese Tiere anfangs nicht zu überfüttern. Auch von zu großen Futtertieren ist abzuraten, da diese Probleme bei der gewohnten Ablage auf ihrem Ast nach der Fütterung verursachen. Die Stelle, an der sich das zu große Beutetier befindet, kann herunterhängen, was zu einem hohen Druck auf die inneren Organe führt und die Haut überdehnt.
Adulte Tiere sollte man deswegen mit eher kleineren Beutetieren füttern. In diesem Fall bieten sich Ratten kleiner und mittlerer Größe an - dann jeweils der Größe betreffend 1-2 Tiere, alle 2-3 Wochen.

Bei juvenilen Tieren wird ein Fütterungsintervall von 5-7 Tagen mit nestjungen Mäusen und später frischen Rattenpinkies empfohlen. Da diese Tiere gerade bei der Aufzucht Probleme bereiten können, indem sie die Nahrungsaufnahme verweigern, muss man hier sicherlich mit dem Futtertierangebot und der Fütterungstechnik variieren und Geduld haben. Kükenteile und kleine Knirpsmäuse sollen manchmal wahre Wunder wirken.
Die Bevorratung mit mehreren Arten von Futtertieren ist daher empfehlenswert.

Generell ist eine Fütterung in bzw. kurz vor den Abendstunden anzuraten, eine Fütterung am Tage kann (gerade bei juvenilen Tieren) von Misserfolgen gekrönt sein.
 
Fortpflanzung: Nicht saisonal, das heißt, eine Paarung ist im Prinzip ganzjährlich möglich.
"Chondropythons" sind mit drei Jahren geschlechtsreif. Jedoch sollten die Weibchen frühestens mit vier Jahren verpaart werden, da diese mit drei Jahren meist noch nicht genügend Reserven für eine Trächtigkeit gebildet haben.
 
Zusammenfassung:

Das der grüne Baumpython als "problematisch" gilt, beruht auf der Tatsache, dass man nicht unbefangen in die Haltung stürzen kann - und so mancher eben etwas erschrocken auf das Verhalten des "Chondros" reagierte, wenn man ein paar wenige Grundregeln nicht beachtet hat.

Nicht die Haltung an sich, sondern die Notwendigkeit, dass man sich vor dem Kauf reichlich über diese Art informieren sollte, ist aber das "Problem".
Haltung, Herkunft (Finger weg als Anfänger von Wildfängen) und das Wesen ist zumindest theoretische Grundlagen vor dem Kauf abzuverlangen - besteht dieses Grundwissen, ist Morelia viridis auch kein besonderes Problemtier mehr.

Sicherlich gibt es einige Sonderheiten, die mit dieser Art in Zusammenhang gebracht werden (z. B. das leidige Thema "Darmvorfälle"), wobei diese Sonderheiten nicht zu verallgemeinern sind. Zusätzlich verwirrend ist auch das vielfältige Angebot bei Baumpythons in diversen Varietäten/Lokalformen.

Selbst innerhalb dieser Varietäten ist eine multiple Erscheinung möglich, und nicht jeder Baumpython ist Jedermanns Sache. Viele mögen nur Sorong-Typen, andere möchten lieber mehr Gelb-Anteile. Und da ein juveniles Tier beleibe einem uninformierten Anfänger absolut keinen Rückschluss gibt, wie später das Tier adult (erwachsen) aussieht, so sollte man doch zumindest diese Möglichkeit so weit es geht durch Vorbildung eingrenzen können.

Diese Vorab-Information muss natürlich nicht nur Erscheinen und Lokalformen, sondern auch Haltungsbedingungen, mögliche (öfters vorkommende und nicht zu verleugnende) Komplikationen, Handling und Ernährung beinhalten.
Und dafür ist das Studium von ein paar Fotos auf ein paar Webseiten gewiss nicht ausreichend!!!
Außerdem sollte man bei Haltung mehrerer Chondropythons diese immer einzeln halten. Die Erfahrung zeigt, dass diese Haltung weit aus problemloser ist. Keiner möchte die Erfahrung machen, abends in deren Aktivitätszeiten eine Ratte ins Terrarium zu halten, in dem sich zwei oder mehrere Baumpythons aufhalten! Außerdem sind geplante Verpaarungen insgesamt problemloser durchzuführen.

Der zukünftige Halter dieser Tiere muss sich im Klaren sein, dass der grüne Baumpython vom Gemüt her absolut keine Tier zum Anfassen ist. Das häufige Herausnehmen, ähnlich bei vielen Kornnatter-Haltern, fällt somit aus, denn dieses wird fast immer durch heftige Abwehrbisse gedankt (zumindest in den Abendstunden). Und diese sind aufgrund der langen Fangzähne Ursache für gravierende Bissverletzungen. Beachtet man dieses, und zusätzlich die Aktivitätszeit dieser Tiere, sowie ein vorsichtiges und gewissenhaftes Vorbereiten, sollte die Haltung aber kein Problem darstellen.
Vorteilhaft bei dieser Art ist auf alle Fälle die Gegebenheit, dass man sie den ganzen Tag auf ihrem Liegeplatz (Hängeplatz wäre sicherlich ein besserer Ausdruck) zu Gesicht bekommt.
Der "Chondro" gehört sicherlich zu den "Eye-Catchern" in einer Terrarien-Anlage - er ist immer etwas Besonderes!

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