Afrikanische Vielzitzenmaus (Mastomys spp.)
Beschreibung:

Für mich persönlich die Tiere mit "besonderen" Eigenschaften.
Denn was die Zucht betrifft, die im Grunde genommen sehr leicht ist, muss man doch das Eine und das Andere bedenken, da die Kunst darin liegt, die richtige "Menge" zu züchten.

Die Vielzitzenmaus trägt ihren Namen durch die besonders hohe Anzahl der Zitzen auf der Bauchseite der Weibchen. Während eine normale Haus- und

  Farbmaus "nur" 10 Zitzen besitzt, hat ein Weibchen dieser Gattung 24 Zitzen. Ihr natürliches Vorkommen sind die Steppen und Savannen Afrikas (sie sind die Feld-, Wald- und Wiesenmäuse Afrikas), und ähnlich den Wüstenrennmäusen leben sie in Sippen mit sozialen Charakterzügen ausgestattet in Erdgängen und Höhlen.
Stirbt ein Muttertier, so zieht ein anderes Weibchen die Jungen groß (dieses Verhalten haben wir auch teilweise dann festgestellt, wenn mehrere Weibchen in einer Gemeinschaft leben und nur ein Weibchen Junge hat).

Oft sind diese Tiere als "beißende Nager" in ihrer Gattung verschrien. Das trifft teilweise auch tatsächlich so zu. So hatten wir ein Männchen, welches jedesmal hinterhältig aus dem Häuschen geschossen kam, um in die gerade zum Füttern ins Aquarium gesteckte Hand zu beißen. Das konnten wir ihm aber wieder abgewöhnen, indem wir ihn einfach jedes Mal zurück gezwickt haben. Aber der Großteil ist eher scheu und zurückhaltend.
Viel negativer wirkt das doch etwas unhygienische Verhalten: Wassernäpfe werden auch gerne als Toilette benutzt. Hier ist also dringend zu einer Trinkflasche oder alternativ zum mindestens zweimal täglichem Reinigen des Wassernapfes anzuraten.

Auch wenn sie von Natur aus eher dämmerungs- und nachtaktiv sind, so gibt es auch einige tagaktive Phasen.
Größe: ca. 8 bis 12 cm, Schwanzlänge ca. 7 bis 10 cm
Gewicht 40 bis 80 Gramm
Futter: Samen, Pflanzenteile, Körner, Wurzeln und Insekten
Während der Trächtigkeit und des Säugens können auch Mehlwürmer angeboten werden, um den Proteinbedarf zu decken.
Wir bieten normales Meerschweinchenfutter mit ergänzenden Frischgemüse wie Salat und Karotten an. Andere "Hausprodukte" wie Kartoffeln und trockenes Brot werden nicht angenommen.
Alter:

max. drei Jahre, eher zwei Jahre

Vermehrung: Tragzeit 22 - 24 Tage
Wurfgröße 6 bis 18 Junge, durchschnittlich eher 10 bis 15 Junge
nach ca. 6 Wochen sind die Nachkommen selbstständig
nach 3 Monaten sind die Nachkommen geschlechtsreif
Wurfhäufigkeit ca. alle 4 bis 6 Wochen!
Der allererste Wurf eines Weibchens wird oft ganz oder teilweise von der Mutter gefressen.
Haltung: Wichtig:
Wie schon oben erwähnt, sind Vielzitzenmäuse sehr familiär und sozial. Nicht dazugehörende Artgenossen werden ähnlich den Wüstenrennmäusen bekämpt, jedoch nicht mit der gleichen Vehemmenz wie bei den Wüstenrennern.

Ein Auswechseln eines Partners in einer funktionierenden Gemeinschaft (wenn z.B. das Männchen krank geworden ist) wird hier zwar eher klappen, aber man sollte nicht immer davon ausgehen.

Es bietet sich unbedingt ein Terrarium, besser noch ein Aquarium entsprechender Größe an. Auch Vielzitzen buddeln schon gerne im Einstreu, was die gleiche "Sauerei" wie bei den Wüstenrennern mit sich bringt, wenn Käfige angeboten werden. Ausserdem klettern Vielzitzen gerne und gut, ein Käfig wäre ein schöner Lärmfaktor, gerade bei den auch dämmerungs- und nachtaktiven Tieren. Wer sich also nachts nicht unbedingt von scheppernden Käfiggehäusen wachhalten möchte... *g*
Ideal wäre also eine zusätzliche Klettermöglichkeit.
Eine Lieblingsbeschäftigung scheint die Angewohnheit zu sein, an den Deckeldraht zu springen und kopfüber eine Weile an diesem zu hängen.

Wir bieten normalen Holzspan an, den wir ca 5 cm einstreuen.
Eine wöchentliche Reinigung (Austausch Bodengrund, Reinigung der Scheiben etc.) ist Pflicht. Vielzitzen sind an sich reinliche Tiere, ihre "Geschäft" wird zum Beispiel nie innerhalb der Behausung verrichtet.
Eine Geruchsbelästigung tritt durch Vielzitzenmäuse gering bis garnicht auf.

Ansonsten sollten feste, stabile und standfeste Futter- und Trinkschalen angeboten werden, am besten aus Steingut. Plastik wird sofort angenagt, und nach einer Woche ist nichts mehr übrig. Die Trink- und Futterschalen am besten etwas höher stellen, auch diese werden durch die Buddel- und Grabaktivitäten schnell mal "zugeschüttet".

Zusätzlich natürlich noch eine Unterkunft, wir nehmen da diverse Nager-Häuser aus Holz, welche man im jedem Zoo-Handel bekommt.

Die Beheizung der Aquarien lassen wir bei uns durch die normale Raumtemperatur übernehmen. Auch hier ist darauf zu achten, dass die Tiere zugluft-frei aufgestellt werden.

Wir halten die Nager in Aquarien mit den Maßen 80x 30x 40 cm für eine Zuchtgruppe 1,2 (siehe Fotos unter ALLGEMEINES), auf das wir einen enstprechenden Deckel mit Kaninchendraht gelegt haben. Der Deckel sollte so schwer sein, dass dieser nicht von den Bewohnern angehoben werden kann ( was der eine oder andere Geselle vom Dach des Holzhäuschens doch mal gerne versucht).
Krankheiten: Auch Vielzitzenmäuse scheinen eher resistent gegen diverse Krankheiten zu sein.
In der ersten Zuchtgruppe hatten wir leider zwei Weibchen mit einem Tumor am Hals (der sich erst nach ein paar Wochen zu erkennen gab), was wir aber nicht auf grundlegende pathogene Probleme zurückführen.
Das war bis dato die einzige erkennbare "Krankheit", die wir in den Jahren je feststellen konnten.
Fazit: Wir empfehlen eine Zuchtgruppe aus 1,2 oder 1,1. Größere Anzahlen von Weibchen, und man "ertrinkt" recht schnell in Vielzitzen-Babies. Wenn drei Weibchen in kurzem Abstand je 12-15 Junge werfen, sind diese noch nicht einmal semi-adult, und schon kommt der nächste Schwung. Man sollte gerade bei der Zucht von Vielzitzen sich vorher erkundigen, ob vielleicht nicht eine Abnahme-Möglichkeit besteht.
Besonders wenn man bedenkt, dass sie nicht immer für ihren eigentlichen "Zweck verwendbar" sind. Sowohl zwei Kornnattern als auch unsere Python Regius' zeigen kein Interesse an dieser Maus. Und auch bei unseren Cheyneis scheint das Interesse von der täglichen Laune abhängig zu sein.

Gerade aber diese Apathie-Möglichkeit und die oft unerwünscht hohe Flut an Nachkommen macht die Zucht der Vielzitzen nicht immer ganz einfach.
Denn wohin mit der Mäuse-Flut?
Daher wäre es mehr als von Vorteil, wenn man schon vor der Zucht mit dem Kauf von Einzeltieren prüft, ob vielleicht eine ähnliche Apathie der Schlangen besteht und bei tatsächlichem Bedarf erst mit einer kleinen (max. 1,2) Zuchtgruppe beginnt.

adulte Vielzitze

eine paar Tage altes Junge

das Ergebnis des scheuen und ängstlichen
Wesens ist unübersehbar *g*

gegenseitiges Putzen

frisches Wasser wird sofort und gerne angenommen